Über das Projekt

Die Zahl von Berufspendler*innen in Deutschland wächst stetig. Dies prägt nicht nur das Verkehrsgeschehen in vielen Ballungsräumen in Deutschland, sondern hat auch weitreichende verkehrliche Auswirkungen auf die Ein- und Auspendlerkommunen, auf die Pendler*innen selbst und ihr soziales Umfeld sowie die lokale und globale Umwelt. Im Projekt „PendelLabor – Wege zu einer nachhaltigen Stadt-Umland-Mobilität am Beispiel der Region Frankfurt Rhein-Main“ untersucht ein interdisziplinäres Team aus Wissenschaftler*innen und Praxisakteur*innen, wie Pendeln verträglicher und im Einklang mit einer Mobilitätswende organisiert werden kann.

Zentrale Forschungsfragen, die im Projekt bearbeitet werden, sind, (1) inwiefern eine umfassendere Perspektive auf Pendeln dabei hilft, ein verbessertes Verständnis zu den Mobilitätsbedürfnissen, -orientierungen und Mobilitätsmustern von Pendler*innen zu erlangen und (2) inwieweit es möglich ist, Pendelpraktiken zu verändern. Dabei geht es darum, zu untersuchen, (3) welche Gestaltungsspielräume Kommunen, Unternehmen und die Pendler*innen selbst haben und (4) die Wirkungen solcher Maßnahmen (ökologisch, sozial) abzuschätzen.

Untersuchungsansatz & Vorgehen

Pendeln und planerisches Handeln werden als Praxisformen untersucht, was es ermöglicht, verschiedene Faktoren, welche Pendeln und Planung beeinflussen, ganzheitlich zu betrachten. Als Praktiken werden gesellschaftlich verbreitete Verhaltensmuster verstanden, in denen symbolische und materielle Elemente verknüpft sind. Das heißt, es geht um mehr als die bloße Raumüberwindung zwischen Wohnort und Arbeitsort oder das Erarbeiten von formalisierten Planwerken.

Hierbei verfolgt das Projekt drei Ziele: Es soll ein besseres Verständnis von Pendel- und Planungspraktiken und Wissen darüber entstehen, wie nachhaltige Stadt-Umland-Mobilität gefördert werden kann. Es sollen neue, bedürfnisorientierte Ideen durch die Perspektive auf Praktiken des Pendelns entwickelt werden. Zudem soll ein Beitrag zu einem geteilten Problemverständnis der Akteure im Untersuchungsraum geleistet werden.

Anhand einer Interviewstudie in der Region Frankfurt Rhein-Main werden unterschiedliche Typen von Pendelpraktiken identifiziert. Zudem werden die raum- und verkehrsplanerischen Praktiken untersucht, welche Verkehrsinfrastruktur und Raumstruktur hervorbringen. In einem partizipativen Ideenfindungsprozess mit lokalen Akteur*innen werden dann Maßnahmen entwickelt, die es ermöglichen sollen, nachhaltiger zu pendeln. Eine Auswahl davon wird in einem Experiment über mehrere Monate von Pendler*innen in zwei Pendelkorridoren im Rhein-Main-Gebiet erprobt. Die Maßnahmen werden anschließend dahingehend untersucht, was sie bewirken können. Daraus werden Handlungsempfehlungen abgeleitet, die zielgruppenspezifisch für die Akteure aufbereitet werden – alltagstaugliche Maßnahmen für Pendler*innen, infrastrukturelle oder servicebezogene Empfehlungen für Kommunen, Unternehmen oder Planer*innen. Begleitet wird der Prozess durch einen regionalen Dialog mit Stakeholdern aus den Bereichen Mobilität/Verkehr, Planung und Kommunen.